Aufruf zur fünften MayDay-Parade

?? Prekär Arbeiten, Prekär Leben ?? !! no borders, no precarity !!

AUFRUF ZUR FÜNFTEN MAYDAY-PARADE IN WIEN AM 1. MAI 2011

Rabbit of Precarity! Treffpunkt: 14 Uhr, Wallensteinplatz, 1200 Wien. Rabbit of Precarity!

Musst du arbeiten? Willst du arbeiten? Hast du bezahlte Arbeit? Darfst du arbeiten? Darfst du hier leben? Wovon lebst du? Hast du freie Zeit? Was machst du, wenn du krank bist? Was machst du im Alter? Was wünschst du dir? Was setzt du deiner Prekarisierung entgegen? Wie organisierst du dich?

Wir pfeifen auf die Karotte vor der Nase, die das schöne Leben versprechen soll. Wir sagen der Entsicherung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse den Kampf an. Am 1. Mai heißt es daher wieder: MAYDAY! MAYDAY! Auf zur Parade der Prekären! Die MAYDAY!-Parade in Wien verbindet die Vereinzelten, stärkt die Verunsicherten und schafft Aktionsradius. Wehren wir uns gemeinsam!

Rabbit of Precarity! Noch zu warten ist Wahnsinn! Raus auf die Straßen! Rabbit of Precarity!

Wir ermächtigen uns selbst zum Sprechen und Handeln. Organisierung ist unser Trumph, vielfältige und offensive Aktionsformen unser Joker. Wir machen die verschiedenen Aspekte der gegenwärtigen Prekarisierungsprozesse sicht- und hörbar, um den vorherrschenden Zustand der Zersplitterung und Isolation zu überwinden und eine Basis für gemeinsames politisches Agieren zu schaffen. Und wir werden nicht mehr länger warten – auf einen Lichtblick, die Revolution, die neoliberale Apokalypse oder eine soziale Bewegung… Do it yourself: Wir sind die Bewegung!

Rabbit of Precarity! Organisieren wir uns Rabbit of Precarity!

Wir sind wendige Jongleur*innen unserer Jobs, wahre Schlangenmenschen der Flexibilität. Undokumentiert, saisonal und befristet Beschäftigte, Schein- und so genannte “Neue Selbstständige”, Niedriglohnjobber_innen, Erwerbsarbeitslose, Projekt-, Teilzeit- oder LeiharbeiterInnen, unbezahlte Reproduktionsarbeiter#innen: Wir alle leben und arbeiten prekär.

Rabbit of Precarity! Ein Parade Beispiel Rabbit of Precarity!

Während die Supermarktangestellten zu Niedrigstlöhnen schuften und sich Studierende, so lange sie nicht aus einem so genannten Drittstaat kommen, zumindest durch geringfügige Jobs und unbezahlte Praktika wursteln “dürfen”, werken Pflege- und KulturarbeiterInnen zwar virtuos aber oftmals sozialversicherungslos. Den Erwerbsarbeitslosen wird genauso, wie den unter der Armutsgrenze lebenden Empfänger&innen der neuen “Mindestsicherung”, durch ständige Disziplinarandrohungen der Handlungsrahmen eingeschränkt. Die freiberuflichen Wissensarbeiter*innen sind auch von längerfristigen Perspektiven “befreit”, während die papierlose und dadurch umfassend entrechteten Sexarbeiter_innen versuchen, sich ihr Leben zu regeln.

Rabbit of Precarity! Her mit dem schönen Leben Rabbit of Precarity!

Prekarisierung ist ein Prozess, der nicht nur die Arbeitsverhältnisse umfasst. Deshalb wendet sich MAYDAY! auch an all diejenigen, die wohnungslos sind und trotzdem für ihre Notschlafstellen zahlen müssen; an all diejenigen, die in Wagenburgen leben wollen, aber durch die städtische Wohnpolitik sesshaft gemacht werden sollen; an all diejenigen, die Häuser- und Wohnungen besetzen (müssen), weil andere in Palästen leben; an all diejenigen, die aufgrund ihrer politischen Aktivität kriminalisiert werden; an all diejenigen, die arbeiten und trotzdem zu wenig zum Leben haben; und an all diejenigen, die konstruierte Grenzen überschreiten.

Her mit der Bewegungsfreiheit für Alle! Wir wollen mobil sein, aber ohne dazu gezwungen zu werden – und bleiben wann und wo es uns passt! Wir wollen freien Zugang zu Bildung und zu Wissen! Wir wollen selber über unser Leben bestimmen, wir wollen die gleichen Privilegien für Alle – und wir wollen noch vieles mehr!

Rabbit of Precarity! Darum und aus vielen anderen Gründen schreien wir: MAYDAY! MAYDAY! Rabbit of Precarity!

Das Alarmsignal in Seenot geratener Schiffe haben wir uns als Schlachtruf angeeignet, um den Zustand zunehmender Prekarisierung von Leben und Arbeit zu betonen und die Vernetzung der prekären Kämpfe weiter voranzutreiben. Sei dabei!

!! Prekär Kämpfen, Prekär Tanzen !!

Mayday History and Best Practice

Donnerstag, 7. April, 20 Uhr: @ EKH politdiskubeisl + vegane Vokü

Heraus zur 5. MAYDAY-Parade in Wien: am 1. Mai, um 14 Uhr, Wallensteinplatz!
Wir pfeifen auf die Karotte vor der Nase, die das schöne Leben versprechen soll. Wir sagen der Entsicherung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse den Kampf an. Am 1. Mai heißt es daher wieder: /MAYDAY! MAYDAY!/ Auf zur Parade der Prekären!
Die /MAYDAY!-/Parade in Wien verbindet die Vereinzelten, stärkt die Verunsicherten und schafft Aktionsradius. Wehren wir uns gemeinsam! Denn wir werden nicht mehr länger warten ? auf einen Lichtblick, die Revolution, die neoliberale Apokalypse oder eine soziale Bewegung… Do it yourself: Wir sind die Bewegung!
Bei der Veranstaltung wird es um Geschichte, Diskussionen, Strategien und Videos in und aus der transnationalen MAYDAY Bewegung gehen. no borders! no precarity!

http://www.med-user.net/~ekh/

Vom EuroMayDay zum Streik der Prekären!

Dienstag, 5. April um 20 Uhr: Aktivist*in von Euromayday Milano zu Gast in Wien

Das PrekärCafé lädt aus diesem Anlass einen Aktivisten von EuroMayDay Milano ein, der von der Entstehung der MayDay-Paraden und aktuellen Kampagnen berichten wird. Seit der ersten MayDay-Parade 2001 hat sie in Mailand – mit meist über 100.000 Beteiligten – die „traditionelle“ 1. Mai-Demonstration längst überholt.

„San Precario“, der kollektiv erschaffene Schutzheilige aller von Prekarisierung Betroffenen, scheint seither seine schützende Hand sehr erfolgreich über das EuroMayDay-Netzwerk und zahlreiche arbeitsrechtliche Kampagnen zu halten. Erst im Dezember 2010 gab es einen Aufruf zu Massenklagen gegen das neue Gesetz „Collegato Lavoro“, das die Zeitspanne für das Einbringen von arbeitsrechtlichen Klagen auf zwei Monate nach Vertragsende beschränkt (die kürzeste Verjährungsdauer für einen Gesetzesbruch in Italien).

Im Herbst 2011 soll zum ersten Mal ein Streik der Prekären ausgerufen werden. Mehr dazu und zu prekären Strategien, Aktionen und Visionen am Di, 5. April 2011 um 20Uhr im Prekär Café in der W23, Wipplingerstraße 23, 1010 Wien. Veranstaltung in englischer Sprache.

MayDay Milano 009 @ MayDay TV

MayDay! MayDay! Let’s organize the parade 011

MayDay! MayDay! Let’s organize the parade 011

Autor*in: PrekärCafé. Erschienen in: Bildpunkt – Zeitschrift der IG BILDENDE KUNST im März 2011.

2008 hat zum vierten – und bisher letzten – Mal eine EuroMayDay-Parade mit rund 4 000 Teilnehmer_innen in Wien stattgefunden. Anfangs gab es den Anspruch, den 1. Mai als Kampftag neu zu etablieren und denEuroMayDay als Initialzündung für eine breitere Organisierung von Widerstand rund um das Thema „Prekarisierung“ auch über den 1. Mai hinaus zu nützen; aber auch den Begriff „Prekarisierung“ in einen breiteren gesellschaftlichen Rahmen zu tragen und widerständig zu besetzen. All das ist im Rückblick nur eingeschränkt gelungen. Als im Zuge der Mobilisierung zum MayDay!2005 von prekären Beschäftigungs- und Lebensverhältnissen die Rede war, von der unsicheren Arbeit mit Laptop und Putzfetzen, mit und ohne Krankenversicherung, mit und ohne Aufenthalts- oder Arbeitspapiere, da wussten hierzulande nur die wenigsten etwas mit „Prekarisierung“ anzufangen.

Heute ist das anders. Zwar hat sich seitdem an den Verhältnissen nichts zum Guten gewendet, aber es gibt nun zumindest ein Begriffsinstrumentarium, das es erlaubt, den fortschreitenden Prozess der Entsicherung aller Lebensverhältnisse zu benennen und einzelne Aspekte gemeinsam, statt getrennt von einander, zu diskutieren. Gegenseitige Verstärkungen haben sich trotzdem nur sehr eingeschränkt ergeben. Der Aufwand, die Parade zu organisieren, war schlussendlich größer, als der Nutzen für Organisierung, aber auch für persönliche Kämpfe im Alltag.

2011 soll es trotz dieser gemischten Bilanz wieder einen MayDay! in Wien geben. Ausschlaggebend für die bisher an der Organisation beteiligten Aktivist_innen waren, neben der guten Erfahrung einen sozialen Treffpunkt als Alternative zum ritualisierten Aufmarsch der SPÖ zu haben, unter anderem folgende Gründe: So sind in Wien in den letzten Jahren interventionsorientierte antirassistische Strukturen entstanden, die durch Anti-Abschiebeaktionen bis hin zum Transnationalen Migrant_ innenstreik am 1. März präsent sind. Nachdem einer der zentralen Slogans derMondoMayDay!-Bewegung „No borders! No precarity!“ lautet, ist es inhaltlich naheliegend hier anzuschließen, um der gemeinsamen Forderung nach Politisierung des Alltagslebens zur Selbstermächtigung Ausdruck zu verleihen. Zum zweiten bietet sich nach der breiten Protestwelle auf den Universitäten 2009/2010 auch das Thema „prekarisiertes (Alltags-)Wissen & Arbeit“ an, um an eigene Lebensverhältnisse anzuknüpfen und neue Perspektiven für gemeinsame soziale Kämpfe zu gewinnen. Zum dritten gilt es auch dieses Jahr wieder die zunehmenden stadträumlichen Konflikte und die Forderungen nach einem „Recht auf Stadt“ aufzugreifen.

Falls sich all diese Kämpfe gegen prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse bis zum 1. Mai verbinden ließen, würde die Parade heuer womöglich erstmals von einer Dynamik geprägt sein, die wesentlich zur Verstärkung und Sichtbarmachung unserer Kämpfe dient. Dies würde überhaupt erst möglich machen, auch dauerhaft Menschen anzusprechen, die ihre alltäglichen sozialen Kämpfe fernab von marginalen (Polit-)Szenen einer Hauptstadt ausfechten. In dem Sinne hoffen wir wieder einen großen Vorbereitungs- und Unterstützer_innenkreis zur Gestaltung des MayDay! motivieren zu können. Offene Vorbereitungstreffen finden ab sofort jeden Donnerstag um 18h30 im Amerlinghaus statt (Stiftgasse 8, 1070 Wien). Nähere Informationen zum aktuellen Stand der Mobilisierung können unter www.prekaer.at abgerufen werden.

Das PrekärCafé ist 2008 aus der EuroMayDay-Bewegung hervorgegangen und aktuell, als eines von mehreren Kollektiven bzw. Einzelpersonen, an der Organisierung eines MayDay! 2011 beteiligt.

MAYDAY? History an Best Practice!

…. es geht ein Gespenst um ….

In Barcelona, Hamburg, Mailand, Wien und anderen europäischen Städten werden am 1. Mai “MAYDAY! Paraden” ausgetragen. Barcelona und Mailand waren die Vorreiterstädte, von wo aus die MAYDAY! Bewegung seit 2001 mittlerweile ihre Verbreitung auch über Europa hinaus fand.

MayDay! MayDay! Wir sind das Prekariat! Auf Abruf verfügbar, nach Belieben auszubeuten und kündigbar nach Lust und Laune: Wir sind wendige JongleurInnen unserer Jobs, wahre Schlangenmenschen der Flexibilität. Aber seid auf der Hut: Wir sind drauf und dran, unsere prekären Kämpfe zu vernetzen!“ Unter diesem Slogan startete 2005 die erste Parade der Prekären auch in Wien.

Der Begriff der „Prekarität“ ist ebenso wenig neu, wie der Sachverhalt, den er bezeichnet. Für viele, insbesondere Frauen und MigrantInnen, ist er schon seit langem alltägliche Normalität. Nichtsdestotrotz gewinnt die Entsicherung unserer Arbeits− und Lebensbedingungen unter den gegenwärtigen Bedingungen des neoliberalen Umbaus eine neue Qualität: Prekarität erfasst die Gesellschaft zusehends in ihrer Gesamtheit.

„MayDay!“ − das Alarmsignal von in Seenot geratenen Schiffen − haben wir jedoch nicht bloß deshalb zum „Schlachtruf“ erkoren, um diesen Zustand zunehmender Verletzbarkeit zu betonen. „Mayday!“ wird auch die Losung unseres Kampftags, des 1. Mai, sein. Von den traditionellen Maiaufmärschen werden sich unsere Aktivitäten an diesem Tag durch lautstarke, bunte und kreative Formen des Kampfes und der Organisation unterscheiden. Aber auch durch die Verschiebung des inhaltlichen Schwerpunkts von einer abstrakten Feier der Arbeit hin zur Auseinandersetzung mit der konkreten Prekarisierung von Arbeit und Leben.

Um Repräsentation durch Selbstermächtigung, Einfalt durch Vielheit zu ersetzen, wählen wir offene und möglichst hierarchiefreie Aktionsformate. Damit sollen die verschiedensten Aspekte der gegenwärtigen Prekarisierungsprozesse der Unsichtbarkeit entrissen und verhandelbar gemacht werden; nicht um die Unterschiede zu nivellieren, sehr wohl jedoch um den vorherrschenden Zustand der Fragmentierung und Vereinzelung zu überwinden und eine Basis für gemeinsames politisches Agieren zu schaffen. Denn das, was die zu Niedrigstlöhnen schuftende Supermarktangestellte und der sich durch geringfügige Jobs und unbezahlte Praktika wurstelnde Student, was die sozialversicherungslos werkelnde Kulturarbeiterin und der unter ständigen Disziplinarandrohungen stehende Erwerbsarbeitslose, was die papierlose und dadurch umfassend entrechtete Sexarbeiterin und der nicht bloß freiberuflich arbeitende, sondern auch von längerfristigen Perspektiven „befreite“ Webdesigner sowie alle ihre Zwischen− und Mischformen gemein haben, ist eben jenes sehr unterschiedlich ausgeprägte Moment der Prekarität. Gemeinsam ist ihnen aber auch der Wunsch nach sozialen Sicherheiten für ein Leben, das flexibel, aber ohne den fremdbestimmten Zwang zur Flexibilität gestaltet werden kann.

Der MAYDAY! soll als Initialzündung für eine stärkere Vernetzung unserer prekären Kämpfe fungieren und das kollektive Bemühen um soziale Rechte − unabhängig vom jeweiligen Beschäftigungs− und Aufenthaltsstatus der Betroffenen − vorantreiben. International vernetzt werden deshalb auch heuer wieder in unzähligen Städten hunderttausende Menschen am 1. Mai auf die Straße gehen.

Denn dem prekären Arbeiten und Leben kann nur mittels einer Bündelung unserer Kämpfe begegnet werden, um die sie befördernden Verhältnisse zum Tanzen zu bringen!