
Die Welt, wie sie ist, produziert Unsicherheit, Ungleichheit und Ausgrenzung – und autoritäre Kräfte versuchen, daraus Profit zu schlagen. Doch Geschichte zeigt: Eine andere Gesellschaft wurde bereits erkämpft und ist weiterhin möglich. Der 1. Mai steht für den Widerstand von unten und die Perspektive einer Welt ohne Ausbeutung und Herrschaft. Statt Spaltung und Angst setzen wir auf Solidarität und gemeinsame Organisierung. Gemeinsam können wir gesellschaftlichen Wandel erwirken – wie viele vor uns – hier und jetzt – und zukünftig!
MAYDAY MAYDAY
01.05.2026
15h Christian Broda Platz
Demonstration
Für ein gutes Leben für Alle!
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Die Zukunft erkämpfen! Kapitalismus überwinden! Gemeinsam für ein gutes Leben für alle!
Aufruf zur Mayday-Demonstration am 1. Mai 2026 in Wien
Erinnerung an eine gelebte Revolution
Vor 90 Jahren, im Jahr 1936, begann in Spanien ein radikaler Versuch, die Welt grundlegend zu verändern. Anarchist:innen kämpften nicht nur gegen den aufkommenden Faschismus, sondern für etwas darüber hinaus: für eine herrschaftslose, klassenlose Gesellschaft. Ihre Revolution war mehr als ein politischer Umsturz – sie war der Versuch, das gesamte Leben neu zu organisieren. Betriebe wurden kollektiviert, soziale Beziehungen neu gedacht, patriarchale Strukturen angegriffen, staatliche Strukturen in die Gesellschaft zurückgenommen und gemeinsam ohne Hierarchien gestaltet. „Die spanische Revolution ist der größte Versuch der Arbeiter:innen, Freiheit und Gleichheit Wirklichkeit werden zu lassen“, beschrieb damals die Anarchistin Emma Goldman ihre Eindrücke. Doch diese Revolution wurde durch den Faschismus zerschlagen.
Wenn wir heute daran erinnern, dann nicht aus Nostalgie. Nicht, weil wir in der Vergangenheit Antworten suchen. Sondern weil diese Geschichte zeigt: Eine andere Welt ist möglich. Sie wurde bereits erkämpft – zumindest in Ansätzen. Und sie kann weiter erkämpft werden. Geschichte ist nichts Abgeschlossenes. Sie entsteht im Hier und Jetzt – durch unser Handeln.
Krise, Kapitalismus und kaputter Alltag
Heute stehen wir erneut an einem historischen Wendepunkt. Der globale Kapitalismus befindet sich im Umbruch, mit spürbaren Folgen: soziale Verelendung, Kriege und zunehmende Unsicherheit. Diese Krisen sind nicht abstrakt – sie greifen direkt in unser Leben ein, das wir uns wegen der steigenden Kosten zunehmend nicht mehr leisten können.
Gleichzeitig erstarken autoritäre Kräfte. Rechte Bewegungen und Parteien gewinnen an Einfluss, weil sie einfache Antworten liefern. Sie versprechen Sicherheit und Teilhabe – durch Anpassung und Unterordnung. Doch auch eine autoritäre Linke gewinnt an Boden, mit ebenso verkürzten Erklärungen und falschen Versprechungen. Beide eint der Blick zurück: auf eine vermeintlich geordnete Vergangenheit, die es so nie gegeben hat.
Die extreme Rechte entwirft daraus ihr Gesellschaftsbild: eine Welt strenger Hierarchien, klarer Rollen und Ausgrenzung – Frauen am Herd, Arbeiter in der Fabrik, Migrant:innen draußen, noch mehr kaputter Alltag. Ein autoritäres Versprechen von Ordnung, das auf Unterdrückung basiert.
Ein Angriff auf eine, ist ein Angriff auf uns alle!
Währenddessen verschärfen sich auch hier in Wien die Angriffe. Soziale Leistungen werden gekürzt, das Leben wird teurer, Existenzen unsicherer. Besonders betroffen sind jene, die ohnehin an den Rand gedrängt werden: Armutsbetroffene, Wohnungslose, Menschen die von Sucht betroffen sind, Geflüchtete und Migrant:innen. In Wien zeigen sich diese Entwicklungen konkret – etwa durch die Streichung der Mindestsicherung für subsidiär Schutzberechtigte oder den massiven Abbau im Sozialbereich.
Diese Angriffe treffen nicht nur Einzelne. Sie sind Teil einer allgemeinen Verschiebung. Diese Angriffe auf die am stärksten Marginalisierten sind Vorboten weiterer Angriffe, die alle betreffen können. Und dennoch beteiligen sich viele an der Hetze, treten nach unten, fordern Abschiebungen und Abschottung – aus Angst, selbst zu fallen. Doch wer andere ausgrenzt, stabilisiert genau jene Verhältnisse, die alle unterdrücken.
Die Realität ist eine andere: Angst auf beiden Seiten der Grenze. Menschen, die für „überflüssig“ erklärt werden, werden entrechtet, ausgeschlossen, dem Tod überlassen. Der Mord an Markus Omofuma am 1. Mai 1999 während seiner Abschiebung zeigt in aller Deutlichkeit, worauf diese Gesellschaft gründet: auf staatlicher Gewalt und strukturellem Rassismus.
Wut, Ideologie und falsche Antworten
Diese Verhältnisse hinterlassen Spuren. Sie erzeugen Wut – doch oft richtet sie sich nicht gegen die Ursachen. Stattdessen entlädt sie sich nach unten im Sozialchauvinismus und Rassismus oder nach oben im Antisemitismus. „Der Antisemitismus ist stets ein Symptom reaktionärer Hochkonjunktur“, schrieb der deutsche Anarchist Erich Mühsam. Er ist eine konformistische Rebellion, die Herrschaft verewigt. Antisemitismus ist als mehr als ein Vorurteil. Er ist eine allumfassende Welterklärung, die alles Übel auf gewisse Personen projiziert. Er richtet sich gegen vermeintliche verborgene dunkle Mächte, weil die abstrakte Herrschaft des Kapitals nicht erkannt wird. Währenddessen bleibt die eigene Verstrickung in die Verhältnisse unsichtbar: die tägliche Reproduktion eines Systems, das uns selbst unterwirft. Die Zwänge von Staat und Kapital werden verinnerlicht, um das eigene Funktionieren erträglich zu machen.
Dem setzen wir eine andere Perspektive entgegen. Eine Gesellschaft, in der ein gutes Leben für alle möglich ist. Ohne Ausbeutung, ohne Unterdrückung, ohne Herrschaft. Ohne Staat, Rassismus, Patriarchat und Kapital.
Die soziale Revolution beginnt im Hier und Jetzt
„In unseren Herzen tragen wir eine neue Welt. Jetzt, in diesem Augenblick, wächst diese Welt.“ sagte der spanische Anarchist Buenaventura Durruti während der Revolution von 1936. Diese neue Welt fällt nicht vom Himmel. Sie beginnt dort, wo wir uns organisieren. Wo wir solidarisch handeln. Wo wir anfangen, die Verhältnisse praktisch in Frage zu stellen. In unseren Kämpfen, in unseren Beziehungen, in unserem Alltag.
Die soziale Revolution ist keine ferne Utopie. Sie beginnt hier und jetzt.
Der 1. Mai ist kein folkloristischer Feiertag, sondern ein weltweiter Kampftag der Arbeiter:innenbewegung. Seine Wurzeln liegen in den Kämpfen gegen die Arbeit und für den Achtstundentag Ende des 19. Jahrhunderts. Nach den Ereignissen rund um das Haymarket-Massaker in Chicago 1886, bei dem Arbeiter:innen und Anarchist:innen für ihre Forderungen brutal verfolgt und hingerichtet wurden, wurde der 1. Mai zum Symbol des Widerstands.
Von Anfang an spielten anarchistische Bewegungen eine zentrale Rolle. Sie verstanden den 1. Mai nicht nur als Kampftag für bessere Arbeitsbedingungen, sondern als Ausdruck eines umfassenden sozialen Bruchs – hin zu einer befreiten Gesellschaft ohne Staat und Kapital. Diese Perspektive ist bis heute lebendig.
In diesem Sinne: Heraus zum revolutionären 1. Mai!
Für eine bessere Zukunft für alle!
Für die soziale Revolution!
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The world as it is produces insecurity, inequality, and exclusion—and authoritarian forces are trying to capitalize on this. But history shows that a different society has already been achieved through struggle and remains possible. May 1st stands for grassroots resistance and the vision of a world without exploitation and domination. Instead of division and fear, we believe in solidarity and collective organizing. Together, we can bring about social change—just as many before us have done—here and now—and in the future!
MAYDAY MAYDAY
May 1, 2026
3:00 p.m. Christian Broda Square
Demonstration
A good life for everyone!
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Fighting for the future! Overcoming capitalism! United for a good life for everybody!
Call to join the May Day Demonstration on May 1, 2026 in Vienna
Remembering a Revolution in Action
Ninety years ago, in 1936, a radical attempt to fundamentally transform the world began in Spain. Anarchists fought not only against rising fascism, but for something beyond that: a society without authority or class. Their revolution was more than a political overthrow – it was an attempt to reorganize all aspects of life. Companies were collectivised, social relationships reimagined, patriarchal structures attacked, state structures reclaimed by society and reshaped collectively without hierarchies. “The Spanish Revolution is the greatest attempt by workers to make liberty and equality a reality,” anarchist Emma Goldman described her impressions at the time. Yet this revolution was crushed by fascism.
When we remember it today, it is not out of nostalgia. Not because we seek answers in the past. But because this history shows: Another world is possible. It has already been achieved – at least in parts. And it can continue to be achieved. History is not a closed chapter. It is created in the here and now – through our actions.
Crisis, Capitalism, and a broken Everyday-Life
Today, we once again are standing at a historic turning point. Global capitalism is in a state of upheaval, with tangible consequences: social deprivation, wars, and growing insecurity. These crises are not abstract—they directly impact our lives, which we are increasingly unable to afford due to rising costs.
At the same time, authoritarian forces are gaining strength. Right-wing movements and parties are gaining influence because they offer simple answers. They promise security and inclusion—through conformity and submission. But an authoritarian left is also gaining ground, with equally simplistic explanations and false promises. Both are united by a backward-looking perspective: toward a supposedly well-ordered past — that never actually existed.
Based on that, the far right shapes its vision of society: a world of strict hierarchies, clear roles, and exclusion — women in the kitchen, workers in the factory, migrants kept out, and an even more broken everyday life. An authoritarian promise of order based on oppression.
An attack on one is an attack on us all!
Meanwhile, attacks are intensifying here in Vienna as well. Social benefits are being cut, the cost of living is rising, and livelihoods are becoming more precarious. Those already marginalized are particularly affected: people living in poverty, the homeless, people struggling with addiction, refugees, and migrants. In Vienna, these developments are evident in concrete terms—for example, through the elimination of the minimum income guarantee for beneficiaries of subsidiary protection or the massive cuts in the social sector.
These attacks do not affect only individuals. They are part of a broader shift. These attacks on the most marginalized are heralds of further attacks that could affect everyone. And yet many participate in the hate campaign, kick those below them, demand deportations and isolation—out of fear of falling themselves. But those who exclude others are precisely stabilizing the very conditions that oppress everyone.
The reality is different: fear on both sides of the border. People who are declared “superfluous” are deprived of their rights, excluded, and left to die. The murder of Markus Omofuma on May 1, 1999, during his deportation shows all too clearly what this society is founded upon: state violence and structural racism.
Anger, Ideology, and Wrong Answers
These conditions leave their marks. They generate anger — yet often this anger is not directed at the root causes. Instead, it is vented downward in the form of social chauvinism and racism, or upward in the form of antisemitism. “Antisemitism is always a symptom of a reactionary boom,” wrote the German anarchist Erich Mühsam. It is a conformist rebellion that perpetuates domination. Antisemitism is more than a prejudice. It is an all-encompassing explanation of the world that projects all evil onto certain people. It is directed against supposed hidden dark forces because the abstract rule of capital goes unrecognized. Meanwhile, one’s own entanglement in these conditions remains invisible: the daily reproduction of a system that subjugates us. The constraints of the state and capital are internalized to make one’s own functioning bearable.
We counter this with a different perspective. A society in which a good life is possible for everyone. Without exploitation, without oppression, without domination. Without the state, racism, patriarchy, and capital.
The Social Revolution begins Here and Now
“We carry a new world in our hearts. Right now, at this very moment, that world is growing,” said the Spanish anarchist Buenaventura Durruti during the 1936 revolution. This new world does not just fall from the sky. It begins where we organize ourselves. Where we act in solidarity. Where we start to practically challenge the status quo. In our struggles, in our relationships, in our everyday lives.
The social revolution is not a distant utopia. It begins here and now.
May 1st is not a folkloric holiday, but a global day of struggle for the labor movement. Its roots lie in the struggles against exploitation and for the eight-hour workday at the end of the 19th century. Following the events surrounding the Haymarket Massacre in Chicago in 1886, during which workers and anarchists were brutally persecuted and executed for their demands, May 1st became a symbol of resistance.
From the very beginning, anarchist movements played a central role. They understood May 1 not only as a day of struggle for better working conditions, but as an expression of a fundamental social rupture — toward a liberated society without the state or capital. This perspective remains alive to this day.
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With that in mind: Let’s march for a revolutionary May Day!
For a better future for everyone!
For the social revolution!






