{"id":385,"date":"2012-04-29T23:48:53","date_gmt":"2012-04-29T23:48:53","guid":{"rendered":"http:\/\/mayday-wien.org\/?p=385"},"modified":"2012-04-29T23:48:53","modified_gmt":"2012-04-29T23:48:53","slug":"385","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mayday.jetzt\/index.php\/2012\/04\/29\/385\/","title":{"rendered":"1.MAI Geschichte, prek\u00e4r?, Textschnipsel"},"content":{"rendered":"<p><strong>?? Prek\u00e4r Arbeiten, Prek\u00e4r Leben ?? !! no borders, no precarity !!<\/strong><br \/>\n<em>&gt;&gt; F\u00fcr globale Bewegungsfreiheit, Festung Europa und Patriarchat abschaffen! &lt;&lt;<\/em><\/p>\n<p><strong>Ein kleine Geschichte des 1.MAI und wie es zur MAYDAY kam.<\/strong><br \/>\nMorgen findet in mehren St\u00e4dten weltweit die MAYDAY statt \u2013 eine Parade die sich vielf\u00e4ltig gegen prek\u00e4re Lebenslagen richtet. Der Tag des 1.Mai ist dabei nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt.<br \/>\nHistorisch entstand der Tag aus den K\u00e4mpfen von ArbeiterInnen in Australien die am 1.Mai 1856 Massendemonstrationen abhielten. Dieser Termin wurde dann Anfang 1886 von der nordamerikanische ArbeiterInnenbewegung aufgegriffen und es kam zu verschiedenen Streiks. Thema war bei beiden Bewegungen die Einf\u00fchrung des 8h Tages, die Stadt in der am meisten Menschen aktiv auf die Stra\u00dfe gingen war Chicago. Als am 4.Mai dort eine friedliche Versammlung von der Polizei gest\u00fcrmt wurde, detonierte eine Bombe und t\u00f6tete und verletzte zahlreiche Polizeieinheiten wie Demonstrierende. Die Schuld daf\u00fcr wurde einmal mehr acht aktiven Anarchisten zugewiesen, von denen f\u00fcnf darauf get\u00f6tet wurden, die drei verblieben kamen nach sechs Jahren frei.<br \/>\nAuf dem Gr\u00fcndungskongress der Zweiten Internationalen 1889 wurde zum Gedenken an die Opfer des Haymarket Riot der 1. Mai als \u201eKampftag der Arbeiterbewegung\u201c ausgerufen. Am 1. Mai 1890 wurde zum ersten Mal dieser \u201eProtest- und Gedenktag\u201c mit Massenstreiks und Massendemonstrationen in der ganzen Welt begangen.<\/p>\n<p>Seit damals hat sich der Begriff der \u201eArbeit\u201c gewandelt. In der westlichen Welt gibt es kaum mehr eine \u201eklassische\u201c ArbeiterInnenschicht \u2013 direkte Produktionsarbeit wurde gr\u00f6\u00dftenteils in Schwellenl\u00e4nder ausgelagert. Und der sich entwickelnde Kapitalismus zwingt die Menschen in neue \u201cprek\u00e4re\u201c Arbeitsformate.<\/p>\n<p>Was ist prek\u00e4re Arbeit? Kennzeichen prek\u00e4rer Arbeit:<br \/>\n&#8211; Flexibilisierung auf Kosten der Freizeit<br \/>\n&#8211; Niedriges, nicht kontinuierliches Einkommen<br \/>\n&#8211; Unkalkulierbare Dauer des Arbeitsverh\u00e4ltnisses<br \/>\n&#8211; Ungen\u00fcgender sozialer Schutz<br \/>\n&#8211; Mangelnde Einbindung und Mitbestimmung<\/p>\n<p>In NewYork, Toronto, Hamburg, Mailand, Wien und anderen St\u00e4dten werden am 1. Mai \u201cMAYDAY! Paraden\u201d ausgetragen. Barcelona und Mailand waren die Vorreiterst\u00e4dte, von wo aus die MAYDAY! Bewegung seit 2001 mittlerweile ihre Verbreitung auch \u00fcber Europa hinaus fand.<br \/>\nZentrales Anliegen war und ist es, den verschiedenartigsten Formen von Prekarisierung in Arbeit und Leben, die durch die klassischen Institutionen der Arbeiterbewegung und der Linken nicht (mehr) organisiert werden k\u00f6nnen, einen Ausdruck zu geben. Dabei geht es nicht um Repr\u00e4sentation und\/oder Einheitlichkeit, sondern um ein Sichtbarmachen der Vielheit der W\u00fcnsche, Lebens- und Kampfformen. Im Zentrum stehen dabei Selbstorganisation und Vernetzung. Die Organisation des MayDay am oder um den 1. Mai soll genau dieses Spannungsverh\u00e4ltnis auch symbolisch aufzeigen. <\/p>\n<p><strong>### &#8211; Textschnipsel &#8211; ###<\/strong><br \/>\n<strong><br \/>\nMAYDAY \u2013 so kann das ja nicht weitergehen!!<\/p>\n<p>?? PREK\u00c4R ARBEITEN ?? PREK\u00c4R LEBEN??<\/strong><br \/>\n<em>&#8211; prekarisierung den Kampf ansagen \u2013 heraus zum 1.MAI &#8211;<\/em><\/p>\n<p><strong>*** Treffpunkt: Bruno Kreisky Park (bei U4 Margareteng\u00fcrtel, 1050 Wien)<\/strong><br \/>\n*** Endpunkt der Parade und Weiterfeiern: Stra\u00dfenfest in der Heinestra\u00dfe (1020 Wien) <\/p>\n<p><strong><em>In Folge finden sich einige Ausz\u00fcge von bisherigen und aktuellen Texten die f\u00fcr die MAYDAY verfasst wurden:<\/em><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Musst du arbeiten? Willst du arbeiten? Hast du bezahlte Arbeit? Darfst du arbeiten? Darfst du hier leben? Wovon lebst du? Hast du freie Zeit? Was machst du, wenn du krank bist? Was machst du im Alter? Was w\u00fcnschst du dir? Was setzt du deiner Prekarisierung entgegen? Wie organisierst du dich?<br \/>\nWir pfeifen auf die Karotte vor der Nase, die das sch\u00f6ne Leben versprechen soll. Wir sagen der Entsicherung der Lebens- und Arbeitsverh\u00e4ltnisse den Kampf an. Am 1. Mai hei\u00dft es daher wieder: MAYDAY! MAYDAY! Auf zur Parade der Prek\u00e4ren! Die MAYDAY!-Parade in Wien verbindet die Vereinzelten, st\u00e4rkt die Verunsicherten und schafft Aktionsradius. Wehren wir uns gemeinsam<\/p>\n<p>Wir sind wendige Jongleur*innen unserer Jobs, wahre Schlangenmenschen der\u00a0Flexibilit\u00e4t. Undokumentiert, saisonal und befristet Besch\u00e4ftigte, Schein-\u00a0und so genannte \u201cNeue Selbstst\u00e4ndige\u201d, Niedriglohnjobber_innen,\u00a0Erwerbsarbeitslose, Projekt-, Teilzeit- oder LeiharbeiterInnen, unbezahlte\u00a0Reproduktionsarbeiter#innen: Wir alle leben und arbeiten prek\u00e4r.<\/p>\n<p>++++<\/p>\n<p>Ein Parade Beispiel Rabbit of Precarity!<br \/>\nW\u00e4hrend die Supermarktangestellten zu Niedrigstl\u00f6hnen schuften und sich Studierende, so lange sie nicht aus einem so genannten Drittstaat kommen, zumindest durch geringf\u00fcgige Jobs und unbezahlte Praktika wursteln \u201cd\u00fcrfen\u201d, werken Pflege- und KulturarbeiterInnen zwar virtuos aber oftmals sozialversicherungslos. Den Erwerbsarbeitslosen wird genauso, wie den unter der Armutsgrenze lebenden Empf\u00e4nger&amp;innen der neuen \u201cMindestsicherung\u201d, durch st\u00e4ndige Disziplinarandrohungen der Handlungsrahmen eingeschr\u00e4nkt. Die freiberuflichen Wissensarbeiter*innen sind auch von l\u00e4ngerfristigen Perspektiven \u201cbefreit\u201d, w\u00e4hrend die papierlose und dadurch umfassend entrechteten Sexarbeiter_innen versuchen, sich ihr Leben zu regeln.<\/p>\n<p>++++<\/p>\n<p>Die offizi\u00f6se Statistik weist etwas \u00fcber 300.000 Arbeit Suchende aus, davon etwa 100.000 mit Einstellungszusage, rund 150.000 sind Langzeitsarbeitslose ohne Aussicht auf einen Job, bleiben also rund 50.000, die auf dem \u201efreien Arbeitsmarkt\u201c einen Job finden, oft nur kurz andauernde. Dunkelziffer: sch\u00e4tzungsweise 200.000 nicht gez\u00e4hlte oder \u201eversteckte\u201c Arbeitslose (nicht beim AMS Arbeit suchend gemeldete \u201estille Reserve\u201c) \u2026<\/p>\n<p>++++<\/p>\n<p>Prekarisierung ist der Verlust von Sicherheit und Absch\u00e4tzbarkeit im Arbeitsverh\u00e4ltniss. Und Prekarisierung ist auch der Verlust von Sicherheit und Absch\u00e4tzbarkeit im Lebensraum durch den Immobilienmarkt an sich. Der durchkapitalisierte Umgang mit Raum prekarisiert die Menschen im Verh\u00e4ltniss zu einander. Der Privatbesitz an Grund und Boden ist keine Basis f\u00fcr ein freies gemeinschaftliches Miteinander.<\/p>\n<p>Verlassene H\u00e4user, Fabriken und B\u00fcrot\u00fcrme zeigen die vorhandenen gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in zweifacher Hinsicht: Ein Geb\u00e4ude ist Wirtschaftsware, deren Nutzen ein Geldgewinn sein soll, und nichts weiter. Arbeit ist eine Aktivit\u00e4t darin, die einen monet\u00e4ren Mehrwert generieren muss, und nichts weiter. Und der Mensch darin wird zur F\u00fcllmasse von \u201eObjekten\u201c, welche einzig als Orte der Reproduktion von Arbeitskraft dastehen.<br \/>\nSo wie es ist, ist der zu mietende Raum der Ort der vielfachen Abh\u00e4ngigkeit der Menschen schlechthin. Wohnen, arbeiten, leben &#8211; das Dasein als solches steht in G\u00e4nze in Abh\u00e4ngigkeit zum Kapitalismus.<\/p>\n<p>++++<\/p>\n<p>Im freien Fall von den eigenen Veranlagungen eingeholt,<br \/>\ndas war vielleicht eine Genugtuung:<br \/>\nHabt ihr die erschrockenen Gesichter gesehen,<br \/>\nals die Kurse unter ihnen die Stra\u00dfe zerfetzten?<\/p>\n<p>&#8222;There is no alternative&#8220;,<br \/>\nhaben sie uns immer gepredigt,<br \/>\nda\u00df dieses,<br \/>\nnur dieses,<br \/>\nund kein anderes<br \/>\nSystem funktioniert,<br \/>\nweil der Kommunismus gescheitert ist.<br \/>\nMorgen werden sie dann verk\u00fcnden:<br \/>\nDer Kommunismus hat auch nicht funktioniert.<\/p>\n<p>++++<\/p>\n<p>Prekarisierung als Prozess und Prekarit\u00e4t als Zustand des Mangels an Ressourcen aller Art, an Zeit und M\u00f6glichkeit der Planbarkeit und der Verwirklichung von Lebensentw\u00fcrfen (bzw. deren Verschwinden lassen), der Entwertung von Arbeit und Leben, ist gleichzeitig ein aktuelles und schon lange sich selbst reproduzierendes Ph\u00e4nomen. Es betrifft das ganze Leben und schn\u00fcrt die sozialen Beziehungen der Betroffenen ab. Es betrifft den Gro\u00dfteil der Erdbev\u00f6lkerung, wenn auch in vielf\u00e4ltigen und g\u00e4nzlich unterschiedlichen Ausma\u00dfen und Intensit\u00e4ten und schafft so eine ganze Reihe unterschiedlicher Lagen. Das macht es auch so schwierig gemeinsame Verkn\u00fcpfungspunkte zu finden. Die un(ter)dokumentierte Migrantin, die, weil ihre akademische Ausbildung nicht anerkannt wird, im Reinigungsgewerbe, schlecht bezahlt extremer Ausbeutung ausgeliefert ist, ist anders betroffen als der Angestellte der Stammbelegschaft eines gro\u00dfen Unternehmens der, aus Angst um den Erwerbsarbeitsplatz schon mal auf Sonderzahlungen (\u201efreiwillig\u201c) verzichtet, ebenso auf die Solidarisierung mit Leiharbeiter_innen im selben Betrieb. Angst als identit\u00e4tsstiftend. Oder die Hausfrau, die auf ihre vergeschlechtlichte Rolle festgelegt, Reproduktions- und Sorgearbeit v\u00f6llig kostenfrei (also entwertet) in den Kreislauf Produktion\/Reproduktion einzuf\u00fchren gezwungen ist \u2013 und dies nicht erst seit dem Fordismus (also der Zeit des Alleinern\u00e4hrermodells). Es sind diese unterschiedlichen Lagen, die auch nur ein Formulieren gemeinsamer Forderungen so schwierig machen. <\/p>\n<p>++++<\/p>\n<p>Es geht um \u00f6kologische \u00dcberlebensfragen der Menschheit, um Dezentralisierung von Wirtschaftssystemen. Um Orientierung an tats\u00e4chlichen menschlichen Bed\u00fcrfnissen anstatt um Zerst\u00f6rung und Aufbrauchen nat\u00fcrlicher Ressourcen, Monopolisierung von Wissen und Technologie sowie Vernutzung menschlicher Arbeitskraft. Ideen f\u00fcr eine Gesellschaft die auf Freiheit sowie gerechter Verteilung und Nutzung gesellschaftlichen Reichtums gab, gibt und g\u00e4be es viele.<\/p>\n<p>++++<\/p>\n<p>Das ist nicht das gute Leben wie wir es uns vorstellen! Lasst uns vernetzen, tanzen und tr\u00e4umen. Finden wir Wege und M\u00f6glichkeiten, um uns zu organisieren. Setzen wir dem Wahnsinn unsere Utopie und praktischen Widerstand entgegen.<\/p>\n<p><strong>!! PREK\u00c4R K\u00c4MPFEN !! PREK\u00c4R TANZEN !! <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>?? Prek\u00e4r Arbeiten, Prek\u00e4r Leben ?? !! no borders, no precarity !! &gt;&gt; F\u00fcr globale Bewegungsfreiheit, Festung Europa und Patriarchat abschaffen! &lt;&lt; Ein kleine Geschichte des 1.MAI und wie es zur MAYDAY kam. Morgen findet in mehren St\u00e4dten weltweit die MAYDAY statt \u2013 eine Parade die sich vielf\u00e4ltig gegen prek\u00e4re Lebenslagen richtet. 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